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Chronik

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10 Jahre

 

 Chronik

 
Festrede zum 10-jährigen Bestehen des Tischtennis-Verbandes Sachsen-Anhalt
vom Präsidenten Werner Lüderitz
Kreissparkasse Quedlinburg, 7. Oktober 2000


Liebe Sportfreundinnen,
liebe Sportfreunde,
verehrte Anwesende,

als mir vom Präsidium angetragen wurde, heute zum zehnjährigen Jubiläum des Tischtennis-Verbandes Sachsen-Anhalt e.V. die Festansprache zu halten und ich mir erste Gedanken zum Inhalt machte, kam mir in den Sinn, dass ich nur zwei Jahre vor der Gründung dieses Verbandes zum 40. Jubiläum des ehemaligen Deutschen Tischtennis-Verbandes ebenfalls eine Festansprache gehalten habe.

Ich habe diese Rede noch einmal zur Hand genommen, denn schließlich ist unser Verband nicht aus dem völligen Nichts heraus entstanden, sondern hat seine Wurzeln  im Tischtennissport der DDR. Aber zwischen diesen beiden Jubiläen liegen nicht nur 12 Jahre, sondern auch inhaltlich völlig neue Strukturen und Inhalte. Trotzdem habe ich zwei Parallelen feststellen können, auf die ich später noch zu sprechen komme.

Die Organisation und Leitung des Tischtennissport in unserem Verbandsgebiet lag vor der Gründung des TTVSA zweigeteilt in den Händen der Bezirksfachausschüsse Magdeburg und Halle, beide Strukturglieder des Deutschen Tischtennis-Verbandes. Nach den politischen Ereignissen im Herbst 1989 zeichnete sich bereits zu Beginn des Jahres 1990 ab, dass die staatliche Gliederung der DDR in Bezirke abgeschafft und durch die bereits bis 1952 bestandenen Länder Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ersetzt werden würde.

Es war folgerichtig, dass die beiden Bezirksfachausschüsse Tischtennis im Gebiet des Landes Sachsen-Anhalt, in Magdeburg unter dem Vorsitz von Manfred Heimann und in Halle unter dem Vorsitz von Wolfgang Creutzmann miteinander Kontakt aufnahmen und erste Gedanken zur Bildung eines Landesverbandes Tischtennis austauschten. Die Bildung eines gemeinsamen Arbeitsausschusses wurde schnell vereinbart und zwangsläufig stand die Frage auf der Tagesordnung, wer übernimmt den Vorsitz im Arbeitsausschuss und kandidiert dann auch für den Vorsitz im neu gegründeten Landesverband.

In diesem Zusammenhang kam mein Name aus zwei Gründen in die Diskussion, zum einen war bereits absehbar, dass der DTTV sich auflösen und damit für mich eine umfangreiche Belastung in diesem Ehrenamt entfallen würde, zum anderen bin ich persönlich Sachsen-Anhaltiner von Geburt an.
Der Vorschlag zur Übernahme dieser Aufgabe reizte mich, denn ich wusste aus vielfältigen Kontakten und dem dts, welche Stellung, Aufgaben, Verantwortung aber auch Probleme auf einen Mitgliedsverband des DTTB zukommen.
 
Vergegenwärtigen wir uns noch einmal kurz die Situation im DTSB der DDR. Alle Fragen der Organisationsstruktur, der Leitungsgremien, der Mitgliedschaft, der Beitragszahlung, der Finanzierung usw. waren einheitlich geregelt und durch die Sportverbände nicht zu beeinflussen. Voll verantwortlich waren aber der DTTV und seine Bezirks- und Kreisfachausschüsse für die sportartspezifische Gestaltung, d.h. für die Organisation und Durchführung des gesamten Wettkampfbetriebes in ihrem Verantwortungsbereich.

Die bisher zentral festgeschriebenen Aufgaben und Komplexe oblagen nunmehr dem neu zu gründenden Landesverband Tischtennis und mussten in entsprechenden Ordnungen, insbesondere in der Satzung, und dazu noch in einem relativ kurzen Zeitraum erfasst werden. In dieser Situation war es besonders der Tischtennis-Verband Niedersachen, der uns hilfreich zur Seite stand und mit der Teilnahme an den Sitzungen des Arbeitsausschusses wertvolle Anregungen übermittelte. An dieser Stelle sei stellvertretend für alle, die geholfen haben, den Sportkameraden Wolfgang Behrens und Hans-Karl Bartels herzlich gedankt.

Es war für den Arbeitsausschuss nicht die schwierigste Aufgabe, eine Satzung zu formulieren, die den neuen Aufgaben gerecht wurde und auch den richterlichen Prüfungen standhalten konnte. Dazu hatten wir Erfahrungen in der Vorbereitung und mit den Beschlüssen des V. Verbandstages des DTTV gesammelt. Auch die schrittweise Anpassung unseres Wettkampfsystems auf Landesebene an die Bestimmungen des DTTB war nicht besonders problematisch, denn erfahrene Funktionäre aus den Bezirksfachausschüssen Magdeburg und Halle, stellvertretend nenne ich Werner Hubig und Werner Schneider, standen in den Startlöchern.

Aber ein großes Problem war für den Arbeitsausschuss die Beantwortung folgender Fragen:
- mit wie viel Vereinen als Mitglied des TTVSA können wir rechnen
- welche Jahresbeiträge, Nenngelder und Startgebühren können wir den Mitgliedern zumuten
- wie ist damit die Arbeit des Landesverbandes abgesichert
- wie kommen wir zu einer Geschäftsstelle und einer entsprechenden Büroausstattung
- können wir uns eine Hauptamtlichkeit leisten (Geschäftsführer, Landestrainer)

Die Einschätzung einer voraussichtlichen Mitgliederzahl war äußerst kompliziert. Uns war klar, dass die letzte Statistik über die Anzahl von Tischtennis-Sektionen per 31.12.1989, in Magdeburg 293, in Halle 324, zusammen 617 keine reale Grundlage bildet. Parallel vollzog sich ja auch ein Umwandlungsprozess in den Sportgemeinschaften und Vereinen.

Aus den Betriebssportgemeinschaften entstanden juristisch selbständige Vereine, denen mit der Abnabelung von ihren Betrieben erhebliche finanzielle Zuschüsse verloren gingen. Ein deutlicher Rückgang an Vereinen war somit vorprogrammiert.

Ohne dass alle aufgeworfenen Fragen beantwortet werden konnten, einigte sich der Arbeitsausschuss auf einen Aufnahmebeitrag von 25,00 DM und einen Jahresbeitrag von 100,00 DM bzw. 50,00 DM für nur im Kreismaßstab spielende Vereine.

In Vorbereitung des Gründungs-Verbandstages entstand ein erheblicher organisatorischer Aufwand, insbesondere mit  der Ausfertigung und dem Versand der Dokumente und Einladungen. Hier erhielten wir tatkräftige Unterstützung durch den Kreissportbund Merseburg, der seinen Kreissportlehrer Adolf Strecker für diese Arbeiten zeitweilig freistellte.

Am 7. Oktober 1990 fand dann im Kulturraum der Spezialbau GmbH in Dessau die Versammlung zur Gründung des Tischtennis-Verbandes Sachsen-Anhalt e.V. statt. Eingeladen durch den Arbeitsausschuss waren 33 Vorstands-Mitglieder der BFA TT Magdeburg und Halle, sowie 40 Vorsitzende der Stadt/Kreisfachausschüsse TT, anwesend waren jedoch nur 25 BFA-Mitglieder und 16 KFA-Vorsitzende.

In aufgeschlossener Atmosphäre wurden die vom Arbeitsausschuss vorbereiteten Dokumente
            Satzung des TTVSA
            Beiträge und Gebühren des TTVSA
            Haushaltplan 1991
            Antrag auf Aufnahme in den DTTB
diskutiert und einstimmig bzw. mit wenigen Stimmenthaltungen angenommen.

Auf der Grundlage der beschlossenen Dokumente fanden die ersten Wahlen statt. Ohne Gegenkandidaten wurden als Präsident Werner Lüderitz, als Schatzmeister Günther Wadewitz, als Sportwart Werner Hubig, als Jugendwart Hanfried Buchholz, als Damenwartin Hannelore Strecker, als Lehrwart Erhard Fink, als Schulsportobmann Ernst-Günther Jensen und als Beisitzer Werner Schneider, Hilmar Lüdicke und Dieter Christian in den Vorstand gewählt.

Unter mehreren Kandidaten entschieden sich die Delegierten für Dr. Lutz Boegelsack und Reiner Schulz als Vizepräsidenten, für Wolfgang Lunk als Pressewart und für Frank Coiffier als Schiedrichterobmann. In das Verbandsgericht wurden Heinrich Jüptner als Vorsitzender, Horst Nöhring und  Rudolf Koch als Beisitzer gewählt. Mit der Kassenprüfung beauftragten die Delegierten Lothar Hause und Manfred Heimann.

Mit diesen Wahlen wurde ein stabiler Leitungskopf des Verbandes gebildet, denn mit wenigen Ausnahmen sind die Vorgenannten auch weiterhin in ihren Funktionen oder in anderer Form für den TTVSA tätig. Die Erfahrung und die Einsatzbereitschaft der gewählten Verbandsfunktionäre waren auch dringend von Nöten, denn die eigentlichen Aufgaben, Probleme und Schwierigkeiten begannen erst nach dem harmonisch verlaufenen Gründungs-Verbandstag.

Nur wenige Tage später, am 19. Oktober 1990, wurde gemeinsam mit den Verbänden von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Berlin-Ost die Aufnahme des TTVSA als neues Mitglied in den DTTB vom Beirat beschlossen. Die regionale Zuordnung unseres Verbandes war eine Zeitlang umstritten. Nachdem jedoch Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und später auch Sachsen einem eigenständigen nordostdeutschen Regionalverband eine Absage erteilten, blieb uns nur die Möglichkeit zum Anschluss an den mitgliederstärksten Regionalverband Nord. Mit Datum vom 28.11.1990 wurde unsere Aufnahme dokumentiert.

Nach der Gründung standen im TTVSA die materiellen und finanziellen Probleme im Vordergrund, denn der Wettkampfbetrieb der Mannschaften wurde im Spieljahr 1990/91 noch in den alten Strukturen ausgeübt und erst ab Spieljahr 1991/92 durch den TTVSA neu geordnet. Die vom Verbandstag beschlossenen Beiträge, dazu der Beitrag an den DTTB und der Pflichtbezug des “dts”, stießen in vielen Vereinen auf Unverständnis, denn einerseits hatten sie plötzlich selbst mit erheblichen finanziellen Problemen zu kämpfen und andererseits waren außer Stargebühren finanzielle Verpflichtungen gegenüber TT-Organisationen etwas völlig Ungewohntes.

In mehreren Briefen an den Vorstand wurde die Streichung der Beiträge gefordert, die Zustimmung zur Mitgliedschaft davon abhängig gemacht und im Gegenzug auch noch eine finanzielle Unterstützung der Vereine durch den TTVSA verlangt. Angesicht dieser Lage sah sich der Vorstand Anfang Februar 1991 zu folgendem Statement veranlasst: Ich zitiere:

    Es geht voran...

    .....beim Aufbau und der Entwicklung des Tischtennis-Verbandes Sachsen-Anhalt e.V.     (TTVSA). Rund vier Monate nach dem Gründungsverbandstag haben sich 200 Vereine als     Mitglieder angemeldet, ist die Arbeitsfähigkeit der Geschäftsstelle gegeben und vier
    Landesmeisterschaften wurden erfolgreich durchgeführt. Noch im Monat Februar nahmen
          die besten Nachwuchsspieler des Landes am ersten Lehrgang des TTVSA an der Sportschule     Osterburg teil.
   
    Bedeutsame Aufgaben stehen aber noch an. Die Umstellung des Mannschafts-
           Wettkampfbetriebes von DTTV- auf DTTB-Bestimmungen muss sorgfältig     vorbereitet werden, damit ab neuen Spieljahr alles reibungslos läuft. Ob Vereinswechsel,     Mannschaftsaufstellung, Ersatzspieler, Freigaben für Jugendspieler, Sportausweise usw.,     vieles ändert sich und muss zum Teil vom Vorstand für Sachsen-Anhalt pass förmig gemacht     werden.
   
    Die für alle Vereine wichtigen Änderungen werden rechtzeitig erarbeitet und per     Rundschreiben bekanntgegeben. Auch eine Information für die Kreisverbände zu ihren     spezifischen Problemen befindet sich in Vorbereitung.
   
    Eine große Sorge bereitet dem TTVSA die unklare Finanzsituation. Das betrifft
           insbesondere die Vereine, aber auch die Finanzlage des Verbandes selbst. Da wir auf die
           Festlegungen des DTTB (Beitrag und "dts"-Pflichtbezug) nur bedingt Einfluss haben -an der
           Halbierung der Beiträge für drei Jahre war auch der TTVSA beteiligt - können wir nur über
          den Verbandsbeitrag (100 bzw. 50 DM) eine Aussage treffen.

    Diese vom Gründungs-Verbandstag beschlossenen Beiträge decken nicht einmal die     gestiegenen Verwaltungskosten, d.h. die Ausgaben ohne Personalkosten, und ein Verzicht     auf diese minimierten Beträge wäre zwangsläufig mit einer Auflösung des TTVSA
    verbunden. Die vorwurfsvollen Briefe einiger Vereine an den TTVSA sind damit     offensichtlich an die falsche Adresse gerichtet worden.
   
    Der Vorstand war und ist bemüht, die Belastungen der Mitgliedsvereine so gering wie     möglich zu halten. Wir können nur hoffen und wünschen, dass auch die noch abseits     stehenden Vereine die Möglichkeiten für einen Beitritt erschließen.

Ende des Zitats.

Es war eine schwierige Zeit zwischen dem Verbandstag und der ersten Hälfte des Jahres 1991 und wir konnten nur vom Durchgebrachten zehren, d.h. von restlichen Finanzmitteln des Deutschen Tischtennis-Verbandes und der Bezirksfachausschüsse Magdeburg und Halle die uns übertragen wurden. Dann traf endlich die noch ausstehende Anschubfinanzierung des LSB für das Jahr 1990 bei uns ein  und Ende 1991 erhielten wir dann auch die für 1991 geplanten Zuwendungen des LSB. Jetzt konnten wir aufatmen.

Trotz aller finanzieller Sorgen, die notwendigen ersten Schritte nach der Verbandsgründung wurden von Vorstand und Präsidium zügig angepackt. Eine Geschäftsstelle musste her und möglichst eine, die keine großen Kosten verursacht. In der Ebelingstraße in Halle konnten wir durch persönliche Kontakte einen Büroraum kostengünstig mieten und darin befindliche Büromöbel preisgünstig erwerben. Später erhielten wir dann auch einen Zuschuss vom DTTB für die Anschaffung neuer Bürotechnik.

Von entscheidender Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit des Verbandes war die Ankündigung des Landessportbundes, einen Geschäftsführer für den TTVSA einzustellen und die hierfür erforderlichen Personalkosten zu übernehmen. Im Dezember 1990 entschied sich der Vorstand für Adolf Strecker als Geschäftsführer, der dann am 01.01.1991 seine Tätigkeit in der Geschäftsstelle aufnahm.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal nachdrücklich herausstellen, dass die jährlichen finanziellen Zuwendungen einschließlich der Personalkosten an den TTVSA, die von der Landesregierung bereitgestellt und vom LandesSportBund ausgereicht werden, für die Existenz unseres Verbandes unverzichtbar sind. Deshalb gebührt der Landesregierung Sachsen-Anhalt und dem LandesSportBund ein herzliches Dankeschön aller Tischtennisspieler.

Von weitreichender Bedeutung für den TTVSA waren die Beschlüsse der 1. Vorstandstagung am 24.11.1990 in Magdeburg. Das waren insbesondere
- die geographische Aufteilung des Landes in 4 Spielbezirke, d.h. die Zuordnung der Kreise zu den  
  Spielbezirken Nord, Ost, Süd und West
- die Struktur und Bezeichnung der Spielklassen
- die Durchführung der 1. Landesmeisterschaften in allen Altersklassen  
Der Beschlussfassung  gingen heftige Diskussionen voraus, denn in den 38 Jahren der Zweigleisigkeit des TT-Sports in Sachsen-Anhalt hatten sich in den Bezirken Magdeburg und Halle abweichende Strukturen entwickelt, die es nun wieder zu vereinen galt. Dass sich hieraus einige Reibungspunkte ergaben, war keine Überraschung. So ist z.B. im Protokoll zur Auslosung der 1. Landesmeisterschaft der Damen und Herren festgehalten, dass es, ich zitiere: “zu einer leichten Kontroverse zwischen den Vertretern der ehemaligen Bezirke Halle und Magdeburg kam, die aber zufriedenstellend gelöst werden konnte”.

Im Dezember 1990 konnte der Vorstand über den Einsatz eines Landestrainers entscheiden. Der DTTB hatte uns informiert, dass vom BdI zweckgebundene Mittel für dieses Hauptamt bereitgestellt werden und dass das Arbeitsverhältnis mit dem DTTB abgeschlossen wird. Sportfreund Günter Spott, der bereits  im DTTV als Auswahltrainer im Einsatz war, wurde vom Vorstand als Landestrainer bestätigt.

Der Einsatz des Landestrainers war eine wichtige Voraussetzung für unser Vorhaben, auch die Sportart Tischtennis in die Sportspezialschulen zu integrieren. Jahrzehntelang war dies dem Tischtennissport durch die Beschlüsse der Sportleitung der DDR verwehrt worden. Das Ziel wurde erreicht, im September 1991 wurden 6 Jungen und 2 Mädchen im Sportgymnasium Halle eingeschult.

Bereits drei Monate nach der Verbandsgründung fand in Merseburg die 1. Landesmeisterschaft  der Damen und Herren statt. Eigentlich war es nicht die 1. Meisterschaft in unserem Bindestrichland, denn bereits zwischen 1948 und 1952 wurden in Sachsen-Anhalt fünf Landesmeisterschaften ausgetragen, aber es bestand mehrheitlich der Wunsch auf einen Neubeginn. Erste Landesmeister  wurden somit Anke Weiß (Chemie Leuna) im Damen-Einzel und Frank Kowar (Lok Stendal) im Herren-Einzel. Im weiteren Verlauf des 1. Halbjahres 1991 fanden dann auch Meisterschaften in den anderen Altersklassen statt.

Parallel liefen die Vorbereitungen auf das Wettspieljahr 1991/92, denn es war notwendig, die noch gültigen DTTV-Bestimmungen durch die WO des DTTB mit eigenen Ausführungsbestimmungen des TTVSA abzulösen. In diesem Zusammenhang fasste der Vorstand den mutigen Beschluss, die im DTTB vorgeschriebenen Spielerpässe für den eigenen Wettkampfbetrieb nicht einzuführen und den Nachweis der Spielberechtigung durch eine Spielberechtigungsliste je Verein zu ersetzen.

Zwei Gründe lagen dieser Entscheidung zugrunde, zum einen wäre es ein riesiger materieller und finanzieller Aufwand gewesen, schlagartig für 10.000 TT-Spieler einen Spielerpass auszufertigen, andererseits waren die unangenehmen Probleme mit den Sportausweisen des DTSB und des Nachweises ihrer Ordnungsmäßigkeit noch nachhaltig in Erinnerung.

Mit dem Beschluss richteten wir auch die Bitte an den DTTB dieses Verfahren zu sanktionieren. Der DTTB stimmte zu und durch die Bundeshauptversammlung wurde die Ergänzung “Spielerpass oder sonstige Bescheinigung des Mitgliedverbandes” beschlossen.   

Damit hatte das von uns gewählte Verfahren auch Signalwirkung für andere Mitgliedsverbände. Andere Landesverbände, auch in den alten Bundesländern, folgten dem Beispiel des TTVSA und ersetzten die Spielerpässe durch einfachere Nachweise der Spielberechtigungen. Bewährt hat sich dieses Verfahren, denn zumindest aus dem eigenen Verband ist mir in den zehn Jahren kein Beispiel bekannt, wonach die Gültigkeit der Spielberechtigung zweifelhaft war.

Die Übernahme der Spielsysteme des DTTB (Paarkreuzsystem, Werner-Scheffler-System) war auf Landesebene kein Problem, eine Abweichung war nur insofern gegeben, als in den Staffeln der 2. Bezirksklasse nicht einheitlich, sondern wahlweise mit einem der beiden Systeme gespielt werden konnte. Anders verhielt es sich jedoch mit den Wettkämpfen auf Kreisebene.

Die Mehrzahl der Kreisverbände und ihre Vereine war an einer Beibehaltung des DTTV-Vierersystems “Jeder gegen Jeden” interessiert. Deshalb unternahm unser Verband zwei Anläufe, dieses System als ein mögliches Spielsystem in die Wettspielordnung des DTTB aufzunehmen. Obwohl es ihren eigenen Spielbetrieb nicht berührte, lehnten die Vertreter der alten Bundesländer mit ihrer Stimmenmehrheit die Anträge des TTVSA ab.

Auch materialseitig wurden die Spielerinnen und Spieler des TTVSA mit einer Umstellung konfrontiert. Unterschiedliche Schlägerbelagsfarben (rot/schwarz) waren im DTTV in Anbetracht der Materialengpässe nur in den höheren Spielklassen vorgeschrieben. Also musste eine Regelung  her und die sah so aus, dass im Spieljahr 1991/92 mit Ausnahme der 1. und 2. Bezirksklasse die Kombination Rot/Schwarz verbindlich war. Diese Ausnahme musste dann notgedrungen noch einmal für das Spieljahr 1992/93 gewährt werden.  
      
Mit dem Spieljahr 1991/92 erfolgte auch die Einbindung des TTVSA in das länderübergreifende Spielsystem des DTTB. Bekanntlich gliedert es sich in vier Stufen, 1. Bundesliga, 2. Bundesliga, Regionalliga und Oberliga, also analog wie im Fußball. Maßgebend für die Eingliederung waren die Platzierungen im letzten Spieljahr des DTTV. Da aus Sachsen-Anhalt keine Mannschaft in der Oberliga des DTTV vertreten war, entfiel eine Einstufung in die 2. Bundesliga und in die Regionalliga.

Mit TSG Chemie Leuna, TTC Fortschritt Wolmirstedt, HSV Wernigerode und MSV Hettstedt bei den Damen, sowie PSV Halle, ESV Lok Stendal, TSG Chemie Leuna und MSV Hettstedt bei den Herren nahmen 8 Mannschaft den Kampf in der Oberliga, Staffel TTVN-Süd/TTVSA auf. Wie hoch hier das Spielniveau ist, wurde bereits im ersten Spieljahr deutlich, denn nur PSV Halle (Herren) und Chemie Leuna (Damen) erreichten einen den Klassenerhalt sichernden Platz.

Auch in den Folgejahren waren die Mannschaften aus Sachsen-Anhalt mehrheitlich nur auf hinteren Plätzen zu finden. Eine Ausnahme bildete die Damenmannschaft des HSV Wernigerode, die 1994/95 den ersten Platz in Oberliga und nach dem Aufstieg im Folgejahr Platz 4 in der Regionalliga belegte. Beachtenswert sind auch der 3. Platz der Herren vom TTC Halle im Spieljahr 1997/98 und der 5. Platz der Damen vom TTC Wolmirstedt im vergangenen Spieljahr. Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden knüpfen wir in diesem Spieljahr an den TSV 1990 Merseburg, der durch Spielerzugänge über eine starke Herrenmannschaft verfügt.

In der Vorbereitung des ersten Wettkampfbetriebes  für den Jugend- und Schülerbereich mussten wir eine negative Entwicklung zur Kenntnis nehmen. In der Präsidiumstagung am 28.06.1991 gab der Jugendwart zur Kenntnis, dass ein deutlicher Rückgang an Jugend- und Schülermannschaften zu verzeichnen ist. Dieser Trend hat sich dann in den Folgejahren fortgesetzt und trotz aller Bemühungen des Vorstandes einschließlich drastischer finanzieller Sanktionen bei ungenügender Nachwuchsarbeit ist auch der heutige Stand unbefriedigend.  



Zeitgleich mit dem Beginn des Spieljahres 1991/92 erschien auch die erste Ausgabe des Handbuches des TTVSA. Neben der vom Verbandstag beschlossenen Satzung enthielt das Handbuch auch verschiedene Ordnungen und Bestimmungen, zum Beispiel Geschäftsordnung, Rechtsordnung, Ausführungs- und Durchführungsbestimmungen für die WO und Meisterschaften, die alle in relativ kurzer Zeit vom Vorstand erarbeitet und beschlossen wurden. Ohne Zweifel war dieses Handbuch eine wertvolle Hilfe für die Vereine, die Stadt/Kreisverbände und für alle Mitglieder in den Gremien des Landesverbandes.  

Liebe Freunde, verehrte Anwesende, ich habe den Verlauf der Gründung und die ersten Maßnahmen des Landesverbandes ausführlich geschildert, weil hier die Grundlage für die Arbeit in den ersten zehn Jahren und darüber hinaus geschaffen wurde. Mit dem zweiten Verbandstag, der am 27.06.1992 in Dessau abgehalten wurde, fand eine erste kritische Auswertung der bisherigen Tätigkeit statt.

Sie fiel positiv aus, die Delegierten billigten die Berichte des Vorstandes und der Ausschüsse und wählten den bisherigen Vorstand in nahezu unveränderter Zusammensetzung. Eine Veränderung gab es im Verbandsgericht, für den nicht wieder kandidierenden Heinrich Jüptner übernahm Frank Urban den Vorsitz. Kurze Zeit nach dem Verbandstag legte Karl Tröger den Vorsitz im Rechtsausschuss nieder, Frank Coiffier stellte sich für eine Übergangslösung zur Verfügung und im Februar 1993 übernahm dann Horst Nöhring den Vorsitz im Rechtsausschuss, dem heutigen Sportgericht.

Der Verbandstag beschloss einige Änderungen in der Satzung und in der Wettspielordnung und, das ist sicher ein Novum, auf Vorschlag des Präsidiums die Senkung einiger Gebühren. (Freigabe für Jugendliche, Startgelder für Meisterschaften und Ranglistenturniere).
Kurze Zeit nach dem Verbandstag wurde der TTVSA mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert. In einem Schreiben teilte der DTTB lakonisch mit, dass ab 1993 ein Landestrainer für Sachsen-Anhalt nicht mehr finanziert werden kann. Das hätte das Aus für alle gerade angelaufenen Maßnahmen in der Nachwuchsentwicklung und insbesondere für die Sportart Tischtennis im Sportgymnasium in Halle bedeutet.

Nach drastischem Widerspruch des TTVSA und persönlichen Gesprächen zwischen den Präsidenten von DTTB und TTVSA fand schließlich eine Sondersitzung mit den neuen Mitgliedsverbänden unter Leitung von Hans-Wilhelm Gäb statt. Im Ergebnis dieser Sitzung konnte die Weiterbeschäftigung des Landestrainers, allerdings unter anteiliger Finanzierung des LSB Sachsen-Anhalt erreicht werden.

Zu Beginn des Spieljahres 1992/93 musste der Rechtsausschuss Spielsperren für eine Reihe von Mannschaften aussprechen, weil die betreffenden Vereine trotz mehrfacher Aufforderungen immer noch nicht bereit waren, die satzungsgemäße Verpflichtung zum Bezug der Zeitschrift “dts” zu erfüllen. Dieser Pflichtbezug ist immer noch ein Ärgernis für einige Vereine, obwohl durch den TTVSA mit der Gestaltung der Kreisvereine diese Problematik entschärft werden konnte. Mit Beginn des Jahres 1993 übernahm der TTVSA die Begleichung der Bezugsgebühren gegenüber dem Verlag; entsprechend wurden die Beiträge der Vereine an den TTVSA gestaltet.

Durch die Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt im Jahr 1993 rückte die Zusammenarbeit mit den Stadt- und Kreisverbänden Tischtennis stärker in den Mittelpunkt unserer Arbeit. Diese Reform nahm der Vorstand zum Anlass, nicht nur auf ein Zusammengehen entsprechend der neuen Territorien, sondern auf eine Neugründung als eingetragener Verein zu orientieren. Folgende Gesichtspunkte waren hierfür maßgebend
- Stadt/Kreisverbände = Strukturglieder des ehemaligen DTTV
- e.V. regelt Haftungsbeschränkung
- e.V. Voraussetzung für Gemeinnützigkeit, wichtig für Mittelzufluß vom TTVSA
Der Prozess der Neugründung war ungemein zähflüssig und erstreckte sich bis in dieses Jahr. Insbesondere personelle Probleme, aber auch mangelnde Kenntnisse bzw. Berührungsängste mit dem Vereinsrecht waren hierfür die Gründe       

Mit der Neugründung der Stadt/Kreisverbände beendeten mit Helmut Grützmacher, Günter Wadewitz, Silvio Schmidt und Heinz Dubielzig langjährige Kreis- bzw. Stadtvorsitzende ihre Tätigkeit in dieser Funktion. Von den Delegierten des dritten Verbandstages wurde ihnen Dank und Anerkennung ausgesprochen.

Dieser Verbandstag, der am 25.06.1994 in Dessau stattfand, beschloss u.a. die Abschaffung der Junioren-Wettbewerbe (nachdem auch im NTTV diese Wettbewerbe gestrichen wurden) und die Einführung des sog. Jugendersatzspielers. Der Verbandstag und die Wahlen verliefen in aufgeschlossener Atmosphäre, der Vorstand erfuhr nur unwesentliche Veränderungen, nachdem zuvor die Delegierten überraschend mit zwei Kandidaten für das Amt des Präsidenten konfrontiert wurden.

Nach dem Verbandstag  erschien die zweite Auflage des Handbuches, noch einmal in Buchform, ehe dann 1997 mit der Loseblattsammlung eine Standardlösung gefunden wurde.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1994 lag der TTVSA im ernsten Clinch mit der Redaktion des “dts”. Es war nicht zu übersehen, dass in der Platzaufteilung in den Gelben Seiten Sachsen-Anhalt gegenüber Verbänden mit weniger Abonnenten deutlich benachteiligt wurde. Auch diese Auseinandersetzungen waren nicht einfach und es kostete deutliche Worte und viel Überzeugungskraft, ehe Wolfgang Lunk im Dezember dem Präsidium berichten konnte, dass künftig für den TTVSA zwei Seiten zur Verfügung stehen.

Leider war auch das folgende Spieljahr 1995/96 mit einem Zerwürfnis zwischen DTTB und TTVSA belastet. Zu Beginn dieses Spieljahres trat der Beschluss über den Materialeinsatz in Kraft, nicht in der Liste enthaltene TT-Tische und Schlägerhölzer mussten mit einem Aufkleber des DTTB versehen werden.

In der Liste der zugelassenen Bälle fehlte der Double-Happiness-Ball mit rotem Stempelaufdruck. Aber gerade diese Bälle waren in vielen Vereinen noch vorrätig aus DTTV-Zeiten und niemand konnte verstehen, warum diese hochwertigen Bälle, die auch bei der Weltmeisterschaft 1995 verwendet wurden, nicht mehr für unseren Wettkampfbetrieb zum Einsatz kommen sollten.

Der Vorstand fasste deshalb einen eigenen Beschluss für den Materialeinsatz innerhalb des TTVSA, der auch diese Bälle und die Sponeta-Bälle zuließ. Dagegen lief der DTTB Sturm und es bedurfte wieder viel Zähigkeit und Verhandlungsgeschick, ehe folgende Übereinkunft erzielt wurde:
a) der Beschluss des Vorstandes behält seine Gültigkeit bis zum Ende des Spieljahres 1995/96
b) die in einigen Vereinen noch vorhandenen größeren Bestände an DH-Bällen werden vom DTTB  
    in zugelassene Bälle umgetauscht.
Damit war auch dieses Problem gelöst, das übrigens jetzt nicht stehen würde, denn für das laufende Spieljahr sind die DH-Bälle mit rotem Stempelaufdruck vom DTTB wieder zugelassen.

Der folgende vierte Verbandstag am 15. Juni 1996 in Halle, und damit erstmalig nicht in Dessau, beschloss folgerichtig, dass künftig nur die vom DTTB zugelassenen Materialien zum Einsatz kommen dürfen. Wichtigster Beschluss dieses Verbandstages war aber eine Satzungsänderung, nach der Verbandstage künftig im Vierjahresrhythmus abgehalten und in der Zwischenzeit die erforderlichen Beschlüsse durch den neu gebildeten Beirat  gefasst werden. Ferner wurde beschlossen, dass Vereinen ohne Nachwuchsmannschaften eine finanzielle Sanktion auferlegt wird.

Die Wahlen ergaben erstmalig nach der Verbandsgründung eine Änderung im Präsidium. Für Hannfried Buchholz rückte Frank Thomas als Jugendwart nach und auch für den Schatzmeister wurde eine baldige Änderung angekündigt. Neun Monate später wurde Günter Wadewitz auf eigenen Wunsch von seiner Funktion entbunden und Dieter Hebenstreit als neuer Schatzmeister kooptiert.

Zwei weitere gravierende Änderungen ergaben sich kurz nach dem Verbandstag. Sportfreund Adolf Strecker schied auf eigenen Wunsch am 30. Juni 1996 als Geschäftsführer aus und der Vorstand bestätigte aus mehreren Bewerben Andreas Fricke als neuen Geschäftsführer. Zum Jahresende wurde die Geschäftsstelle in der Ebeling-Straße aufgegeben und mit den neuen Geschäftsräumen in der Delitzscher Straße bessere und dem Verband angemessene Arbeitsbedingungen geschaffen.

Die bis dato bedeutendste Tischtennis-Meisterschaft in unserem Land wurde im Februar 1997 in Querfurt ausgetragen. Der TSV 1990 Merseburg organisierte, unterstützt vom Vorstand des TTVSA, die Norddeutschen Meisterschaften der Damen und Herren, die vom NTTV als eine gelungene Veranstaltung gewürdigt wurden. Wenig später, im Juni, war der TTC Wolmirstedt mit den Senioren-Mannschaftsmeisterschaften ein guter Ausrichter der ersten nationalen Deutschen  Meisterschaft  im Territorium von Sachsen-Anhalt.

Von den weiteren überregionalen Veranstaltungen, alle aufzuführen würde den Rahmen sprengen,
möchte ich noch die Norddeutschen Meisterschaften der Jugend und Schüler im Februar 1998, ausgerichtet vom SSV 90 Landsberg, erwähnen. Auch diese Veranstaltung erhielt viel Lob und zeigt, dass der TTVSA seine Verpflichtungen gegenüber dem NTTV und DTTB erfüllt.

Die erste Tagung des neu geschaffenen Beirates fand am 14. Juni 1997 in Wolmirstedt statt. Wichtigste Beschlüsse waren die Annahme der neu formulierten Ehrungsordnung und der schrittweise Beginn der Beitragserhebung in Abhängigkeit von der Anzahl der aktiven Spieler.

Die zweite Beiratstagung am 25. April 1998 in Aschersleben fasste den Beschluss über die Kostenerstattung bei Vereinswechsel,  ein Beschluss der leider in der langfristigen Vorbereitung nicht so heftig, aber in der Durchführung umso mehr diskutiert wurde. Für die Beitrage der Vereine an den Landesverband wurde eine neue Berechnungsbasis beschlossen, neben einen Sockelbetrag, der für alle Vereine gleich ist, richtet sich die Beitragshöhe nach der Anzahl der im Wettkampfbetrieb eingesetzten Spielerinnen und Spieler, jedoch ohne Schüler.     

Im Juni 1998 tagte mit dem Hauptausschuss das zweithöchste Gremium des Deutschen Tischtennis-Bundes in Halle. Als Ausrichter konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Steigenberger-Hotel in Halle-Neustadt den Mitgliedern des Hauptausschusses gute und zugleich kostengünstige Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen bieten.

Im Herbst 1998 entstanden Differenzen zwischen dem DTTB und den neuen Mitgliedsverbänden. Die Finanzzuschüsse für die Personalkosten der Landestrainer sollten ab 1999 gestrichen werden. In einer Beratung am 1.10.1998 mit dem Präsidenten und Generalsekretär des DTTB wurde zwar in Aussicht gestellt, einen schrittweisen Abbau vorzunehmen, aber diese Absicht dann später vom Präsidium des DTTB zuerst nicht und dann nur halbherzig vertreten. So kam es durch die Stimmenmehrheit der westdeutschen Verbände zum Beschluss des Hauptausschusses vom 30.01. 1999, der eine völlige Streichung vorsah und damit die Beziehungen zwischen DTTB und neue Mitgliedsverbände in eine Krise stürzte.

Die heftigen Reaktionen der ostdeutschen Verbände, und hier insbesondere aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, führten zu einem Umdenken unserer westdeutschen Sportfreunde. Für 1999 wurde eine Solidaraktion außerhalb des Haushaltplanes gestartet und ab 2000 ist der schrittweise Abbau der Zuschüsse wieder im Haushaltsplan des DTTB verankert.

An dieser Stelle muss ich noch einmal auf die Entwicklung der Beziehungen zwischen DTTB und TTVSA eingehen. Es gab, wie ich geschildert habe, einige kritische Situationen, die entstanden sind, weil es im Verständnis untereinander Defizite gab. Insgesamt haben wir beim Präsidium des DTTB, Hans-Wilhelm Gäb und Hans Giesecke möchte ich dabei vorrangig erwähnen,  und bei den westdeutschen Verbänden für die spezifischen Probleme der neuen Mitgliedsverbände mehrheitlich Unterstützung gefunden. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken.

Die DTTB-Haushaltproblematik 1999 berührte auch die 3. Beiratstagung, die am 15. Mai 1999 in Köthen stattfand. Die Streichung des DTTB vor Augen, musste zwangsläufig im Interesse der Aufrechterhaltung des Hauptamtes Landestrainer eine Beitragserhöhung vorgenommen werden. Auch die beschlossene Strukturierung in Vereine und Kreisvereine war dieser Situation geschuldet. Aufsehen erregte aber besonders der angenommene Antrag, ab Spieljahr 1999/2000 die Mitwirkung von Damen in Herrenmannschaften zu untersagen.
Die Beiratsmitglieder beschlossen auch eine Neufassung der Leistungssportkonzeption des TTVSA für die Jahre 1999 bis 2004. Mit dieser Neufassung nahmen wir schweren Herzens Abschied von der Einbindung der Sportart Tischtennis in die Sportspezialschulen. Die ständig abnehmende Schülerzahl und die Tatsache, dass für 1999 keine Kandidaten für eine Neueinschulung in Sicht waren, machten diesen Schritt unumgänglich. Die Leistungssportkonzeption orientiert nunmehr auf eine Ausweitung und eine intensivere Arbeit in den Landesstützpunkten.

An dieser Stelle möchte ich noch einige Worte zur leistungssportlichen Situation im TTVSA verlieren. Es ist unbestreitbar, dass unser Leistungsniveau trotz einiger Teilerfolge deutlich unter dem Niveau der westlichen Mitgliedsverbände liegt und dass auch noch Rückstände gegenüber den anderen ostdeutschen Verbänden bestehen. Was sind die Ursachen dieses geringen Niveaus, dass den Abgang einer ganzen Reihe von Spitzenspielern des Landes zur Folge hatte?

Mit wenigen Ausnahmen fehlt in den Vereinen eine konzentriert leistungssportliche Arbeit. Das drückt sich aus in zu wenigen Trainingstagen (welcher Verein kann fünfmal die Woche trainieren?) und im Fehlen professioneller Full-Time-Trainer bzw. Honorar-Trainer (welcher Verein hat überhaupt einen?). Das sind deutliche Standortnachteile, die von einem Trainer auf Landesebene bzw. durch das Stützpunktsystem nicht ausgeglichen werden können.

Zur Verbesserung dieser Situation sind materielle und finanzielle Ressourcen notwendig, die in unserem Land mit einer extrem hohen Arbeitslosigkeit und einer extrem geringen Wirtschaftskraft schwer zu erschließen sind. Tischtennis wurde zu DDR-Zeiten bewusst nicht gefördert, jetzt haben wir andere Hürden in der Außenwirkung, eine gewisse Parallele ist nicht zu übersehen.

Das neu gewählte Präsidium hat es sich zur Aufgabe gestellt, die Bedingungen für die Nachwuchsentwicklung zu verbessern und schrittweise das Spielniveau anzuheben. Das ist eine große Aufgabe und es ergeht der Appell zur tatkräftigen Unterstützung an alle Funktionäre und Spieler

Die Zeit nach der dritten Beiratstagung war von der Vorbereitung auf die 68. Nationalen Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren in Magdeburg geprägt. Diese Aufgabe stellte hohe Anforderungen an die Mitglieder des Präsidiums, hier insbesondere an Dr. Lutz Boegelsack als Organisationsleiter der Meisterschaften und an die Sportfreunde des TT-Stadtverbandes Magdeburg. Die meisten der hier Anwesenden haben persönlich die wunderbaren Wettkämpfe und die gute Organisation in der Bördelandhalle miterlebt. Ohne Zweifel hat diese Veranstaltung für neuen Schwung im und für ein gutes Image des Landesverbandes beigetragen.
Letzter Höhepunkt vor dem heutigen Jubiläum war der 5. Verbandstag des TTVSA am 20.05 2000 in Magdeburg. Durch Änderung der Satzung wurde die Leitungsstruktur neu gestaltet. Die alleinige Verantwortung des Präsidiums als Exekutive und die jetzt zweimal jährliche Beiratstagung haben einerseits eine Straffung der Leitungstätigkeit und andererseits eine breitere Mitarbeit und Mitgestaltung der Vereine zum Inhalt.

Nach heftiger Diskussion wurde die Regelung zur Kostenerstattung bei Vereinswechsel modifiziert und mit knapper Mehrheit wurde auch einem Antrag entsprochen, ab Spieljahr 2001/2002 in allen Staffeln der 2. Bezirksklasse das Paarkreuzsystem zur Anwendung zu bringen.

Bei der Neuwahl der Leitungsorgane des TTVSA gab es mit Dr. Lutz Boegelsack als neuen Präsidenten an der Spitze des Verbandes, mit Wolfgang Strohmeyer als Vizepräsident und mit Wolfgang Schleiff als Pressewart drei Veränderungen  im Präsidium. Veränderungen waren auch in der Zusammensetzung des Sportausschusses und des Jugendausschusses zu verzeichnen.    

Liebe Sportfreunde, verehrte Anwesende,
ich habe in meinen bisherigen Ausführungen die Höhepunkte bzw. die herausragenden Ereignisse in den 10 Jahren des TTVSA Revue passieren lassen. Es darf  aber nicht vergessen werden, dass in den 10 Jahren auch unermüdlich Tages- und Kleinarbeit verrichtet wurde und die damit verbundenen Probleme Gegenstand der insgesamt 25 Vorstandstagungen und 42 Präsidiumssitzungen waren. Ich möchte hier nur zusammenfassend als ständige Aufgaben erwähnen:

- die jährliche Abwicklung der Meisterschaftsspiele von der letzten Kreisklasse bis zur Verbandsliga
  in allen Altersklassen und die damit verbundene Arbeit der Staffelleiter - für den Verband
  überhaupt die wichtigste sportliche Säule
- die Durchführung der Einzel-Meisterschaften und Ranglistenturniere auf der Kreis-, Bezirks- und
 Verbandsebene in allen Altersklassen  
- die Austragung der Mini-Meisterschaften, der Wettkämpfe “Jugend trainiert für Olympia”,
  der Landesjugendspiele und von Pokalwettkämpfen der unterschiedlichsten Art
- die Ausbildung von Übungsleitern und Schiedsrichtern
- die Finanzabwicklung und die Kassenprüfung
- der regionale und überregionale Schiedsrichtereinsatz
- die Organisation und Durchführung des Stützpunkttrainings und natürlich
- die vielseitige umfangreiche Arbeit der Vereinsfunktionäre.
 
Die Ehrenamtlichen, die diese Aufgaben erfüllen, sind die Garantie für die Existenz unserer Sportart. Das war im DTTV zu DDR-Zeiten nicht anders als jetzt im TTVSA. An dieser Stelle gilt deshalb allen ehrenamtlichen Funktionären in den Vereinen, in den Kreis- und Stadtverbänden und in den Gremien des TTVSA für ihre unermüdliche Arbeit der herzliche Dank des Landesverbandes.
Liebe Sportfreunde, verehrte Anwesende,
ich hoffe, dass Sie meinen Ausführungen entnehmen konnten, dass der TTVSA eine gute Entwicklung in den zurückliegenden  Jahren genommen hat und über eine solide Basis für die nächsten Jahre und Aufgaben verfügt. In diesem Sinne möchte ich
meine Ausführungen beenden und bitte um Nachsicht, dass ich nicht alle Personen und Ereignisse, die mit der Entwicklung 10 Jahre TTVSA verbunden sind, erwähnen konnte.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.